Die Gemeinde Gruiten

 

ist ein kleines, historisches Dorf mit einer traditions- und denkmalbewussten Bevölkerung. Es könnte etwa aus der Zeit um 1000 n. Chr. stammen.

Der Name Gruiten hat viele verschiedene Schreibweisen durchgemacht, von Gruthene über Grucene zu Grüten,  bis sich schließlich und endlich unser heutiges Gruiten durchsetzte.  Man kann annehmen, daß der Name Gruiten auf Ursprung und Beschaffenheit der Bodenverhältnisse hinweist, z.B. auf Sand, Kies, Steingeröll und somit auch auf Kalk.

Das Wappen der Gemeinde Gruiten wird 1937 so beschrieben: 

Auf grünem Grund ist eine nach links ansteigende natürliche Felswand zu sehen, neben der rechts eine silberne, aufgerichtete Spitzhacke mit goldenem Stil schwebt.

 

 

SCHNELLÜBERSICHT ZUR GESCHICHTE DES DORFES GRUITEN

 

Vor oder um 975 n. Chr. Beginn der Siedlungsverdichtung in Gruiten an der Mündung der Grutina (= Kleine Düssel, entstanden aus dem Zusamenfluß des Bolthauser mit dem Krutscheider Bach) in die Düssel. Der Ort entstand nach und nach als Weilerdorf, fast unzugänglich in einem Bachtal, inmitten von Urwald und Heide. Oberster Landesherr über Gruiten ist zu dieser Zeit vermutlich der König. Die Bauern und deren Bedienstete sind Nutzungsberechtigte an Boden und Haus, keine Besitzer, aber auch keine Leibeigenen. Anstelle einer Pachtgebühr bezahlen sie mit Dienstleistung und Naturalien an Beauftragte des Königs. Im Laufe des Mittelalters können die Gruitener Bauern diese Leistungen umwandeln durch Geld oder alleine Naturalien.

In der Zeit von 1066 bis 1081 wird Gruiten in einer Urkunde als Besitz des Benediktinerklosters Werden an der Ruhr erstmalig genannt als „Grutinon“.

Um 1075 entsteht die Kirchenburg St. Nikolaus nördlich der DüsseI auf einem Bergsporn oberhalb des südlich gelegenen Dorfes als Stiftung des Klosters Werden an der Ruhr, gleichzeitig mit der Verteidigungsmauer, die später “Welschenmauer“ genannt wurde und in den letzten Jahrhunderten zerfiel.

Vor 1200: Taufbecken in der Gruitener Kirche (heute noch vorhanden im Turm der alten Kirche).

Um 1100, in 1139 und 1155 werden Gruitener Höfe genannt, wobei nicht klar ist, welcher Hof genau gemeint sein könnte. Diese Höfe sind im Besitz verschiedener Klöster, auch in der Zeit danach: Kaiserswerth, Knechtsteden, Siegburg und Gerresheim.

Zwischen 1218 und 1231 wird der Herrenhof von Gruiten, das Haus am Quall, welches mit einem Wehrturm versehen ist, erstmalig urkundlich genannt, aber auch andere Gruitener Höfe.

Spätestens ab 1345 ist der Erzbischof von Köln oberster Landesherr von Gruiten.

Ab etwa 1363 ist der Graf (ab 1380 Herzog von Berg) oberster Landesherr von Gruiten.

Ab 1422 hat das Kloster Gräfrath (=adelige Augustinerchorfrauen) Patronatsrechte über die Gruitener Kirche.

1435 und 1436 große Wolfsjagd des Herzogs von Berg im Raum um Gruiten, in damals noch bis zur Gemeinde Ellscheid bei Haan reichenden Urwald, dem Osterholz.

Um 1500 liegen im Gebiet des engeren Dorfbereiches von Gruiten etwa zehn Höfe oder Häuser mit einer Einwohnerzahl von insgesamt ungefähr 110 Personen (gesamte Gemeinde Gruiten: Etwa 30 Höfe oder Häuser mit ungefähr 330 Personen). Die Dorfjugend erhält im Kommunionunterricht eine Ausbildung in folgenden Fächern: Religion, Lesen, Schreiben und Rechnen.

1545 wird erstmalig für Gruiten ein Kalkofen urkundlich genannt, obwohl die Kalkherstellung nebenberuflich auf den Höfen sicherlich schon einige Zeit älter ist.

1555: Hofes- (= Zivil-) gericht in Gruiten im Hof an der Kirchen. Das Gericht war wohl bereits schon vorher und danach nur noch wenige Jahre vorübergehend tätig.

Am 7. Juli 1608 wird der aushilfsweise amtierende  evangelisch - reformierte Pastor von Gruiten Mitglied der am 21. Juli 1589 unter Mitwirkung des Pastors von Haan gegründeten Reformierten Bergischen Synode.

Ab     etwa 1616 bis 1675 konnte in Gruiten kein    eigenständiger evangelisch - reformierter Gottesdienst stattfinden. Bis 1665 hatten aber evangelisch - reformierte Gemeindemitglieder ihre angestammten Plätze in der katholisch gebliebenen Kirche, obwohl zeitweise der Gottesdienst im Hof an der Kirchen, in Nebengebäuden anderer Gruitener Höfe oder in Nachbargemeinden wahrgenommen wurde, so zum Beispiel in Haan.

1682 Predigthaus in Gruiten für die Mehrheit der Bevölkerung, nämlich die evangelisch-reformierte Gemeinde.

In Jahr 1700 wurde das bisherige, niedrige Pyramidendach des Kirchturms der katholischen Kirche durch ein hohes, spitzes Turmdach ersetzt.

1721 Evangelisch - reformierte Kirche in Gruiten.

Um 1750 entsteht ein Arzthaus in Gruiten einschl. Apotheke.

Um 1750: In Gruiten leben Angehörige der „Pietisten“, die Ende des 19. Jahrhunderts in unserer Region die Freie Evangelische Gemeinde gründeten.

21. März 1806 Oberster Landesherr von Gruiten wird Napoleon I., Kaiser der Franzosen.

11. Januar 1808: Aufhebung des Lehnswesens, d. h. die Bauern,  die bisher ähnlich einer Pacht nur die Nutznießung an Grundstück und Gebäude hatten, werden nun Besitzer.

14. November 1809: Gruiten gehört kommunalpolitisch zur Mairie (= Bürgermeisterei oder Amt) Haan.

5.      April 1815 Gruiten wird Bestandteil des Königreiches Preußen.

Ab 1829: Preußische Schule in Gruiten.

21.    Mai 1841: Gruiten liegt in Nähe der ersten westdeutschen Eisenbahnlinie Düsseldorf - Vohwinkel, die noch bis Jahresende nach Elberfeld weitergeführt wird.

1856 werden, unweit von Gruiten (in Millrath an der Düssel) Skelettreste des Neanderthalermenschen (etwa 200000 bis 30000 v. Chr.) entdeckt.

1874 wird erstmalig veröffentlicht, daß in Gruiten (die genaue Lage ist z. Zt. unbekannt) eine ringwallburgähnliche „Warte“ bestand. Vergleiche aus der Nachbarschaft deuten auf eine Befestigungsanlage gegen die Normanneneinfälle in das Rheinland in der Zeit um etwa 863 bis 892 n. Chr.

1879: Neu erbaute katholische Kirche St. Nikolaus an anderer Stelle im Dorf Gruiten. Architekt: Gerhard August Fischer aus Barmen, der spätere Rekonstrukteur von Schloß Burg an der Wupper.

Ab 1883 wird aus der bisher handwerklich betriebenen Gruitener Kalkproduktion eine industrielle Herstellung.

1889 hat die Gemeinde Gruiten insgesamt 981 Einwohner.

1894: Abbruch des Schiffes mit Chor und Apsis der alten katholischen Gruitener Kirche. Der Turm bleibt bis heute stehen.

1. April 1894: Gruiten wird aus der Bürgermeisterei Haan herausgelöst und mit der bisher selbständigen Gemeinde Obgruiten vereinigt. Darüberhinaus bildet Gruiten nun eine eigene, selbständige Bürgermeisterei (ab 1928 — Amt) unter Einschluß von Millrath (heute Erkrath-Hochdahl) und Schöller (heute Wuppertal Vohwinkel/Ortsteil Schöller).

1896: öffentliche Trinkwasserversorgung aus Quellwasser in Gruiten.

Ab 1896 industrielle Textilfabrikation im Bereich des Dorfes Gruiten (nach dem 2. Weltkrieg wieder erloschen).

1897: Rathaus für die Bürgermeisterei Gruiten im ab 1841 neu entstandenen Ortsteil Gruiten-Bahnhof.

Um 1900 werden im Abraummaterial des Ehlenbecker Kalksteinbruchs zwölf römische Silber- und Bronzemünzen gefunden, deren jüngste bis 361 n. Chr. gepräqt wurde. Vermutlich handelt es sich um Verlust- oder Versteckmaterial römischer Truppen, die 388 n. Chr. alle Siedlungen des niederbergischen Raumes durch Feuer vernichtet hatten, selber aber auch in den daraufhin folgenden Kämpfen getötet wurden.

1902 werden alle evangelisch - reformierten Gemeindemitglieder der früher selbständigen Gemeinde Obgruiten von Schöller nach Gruiten umgepfarrt.

1902: Telefonnetz in Gruiten.

1905: Elektrische Stromversorgung der Haushalte und Fabriken in Gruiten.

1922: Ehrenmal für die gefallenen Kriegstoten des ersten Weltkrieges in Gruiten (nach dem zweiten Weltkrieg verlegt in den Thunbusch-Park).

1923 bis 1924: Französische Besatzungstruppen in Gruiten.

1925 in Gruiten nur noch 94 Pferde (1968 noch 7 Pferde !).

1928 bis 1930 erste öffentliche Autobuslinie von Mettmann nach Gruiten.

1930 bis 1952 erste moderne Oberleitungsomnibuslinie der Welt mit akzeptabler Technik von Mettmann über das Dorf Gruiten bis zum Ortsteil Gruiten-Bahnhof.

1943 bis 1945: Bombenschäden und Tote aus der Zivilbevölkerung durch gegnerische Luftangriffe im zweiten Weltkrieg.

16. April 1945: Amerikanische Streitkräfte besetzen Gruiten bis Juli 1945 und werden danach von Truppen aus Großbritannien abgelöst, die kurz darauf abziehen.

1966: Außerbetriebsetzung der Gruitener Kalkindustrie.

1974: Bürgerhaus Gruiten (mit Veranstaltungssälen) einschließlich Hallenbad und Gaststätte.

25. Mai 1974: Demonstration von mehr als 10.000 Haaner und Gruitener   Bürgern in Düsseldorf für den Zusammenschluß von Haan mit Gruiten zwecks Abwehr der Eingemeindungsabsichten umliegender Großstädte

31.Dezember 1974, 24 Uhr: Auflösung des Amtes Gruiten.

1. Januar 1975: Zusammenschluß der Gemeinden Stadt Haan (mit Ellscheid) und Gruiten (mit Obgruiten) zur Stadt Haan

29.Juni 1988: Der Kulturausschuß (= Denkmalausschuß) des Rates der Stadt  Haan beschließt einstimmig, daß der Haaner Ortsteil „Gruiten Dorf“ unter der Voraussetzung, daß zuvor eine Bürgerinformation durchgeführt werden soll, in Zukunft Denkmalbereich im Sinne des Denkmalschutzgesetzes von Nordrhein-Westfalen §2 Abs. 3 wird.

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Daten und Ereignisse überwiegend entnommen aus folgenden Veröffentlichungen:

 

Fritz  Breidbacb, Gruiten - Die Geschichte eines Dorfes an der Düssel,

Harro Vollmar, Geschichte von Haan und Gruiten - Teil 1: Anfänge bis 1500, Haan 1987 (Hrsg. Harro Vollmar, Schriftenreihe der Abteilung Haan des Bergischen Geschichtsvereins‘ Bd. 5.

Harro  Vollmar, Geschichte von Haan, in (Arbeitstitel):

Kreisgeschichtsbuch Mettmann, voraussichtliche Veröff. Ende 1988 (Hrsg. Kreis Mettmann).